Exkursion des Philosophiekurses Q1 zum Amtsgericht Tiergarten

Am Montag, 17. Dezember 2012, sehr früh um 7.45 Uhr, traf sich der Philosophiegrundkurs des ersten Semesters an einem eher ungewöhnlichen Ort: In der beeindruckenden Halle des Amtsgerichts Tiergarten. Im Folgenden haben zwei Schülerinnen des Kurses ihre Eindrücke der Exkursion festgehalten:

Die Vereinten Nationen zu Gast an der Droste

Am ersten Schultag nach den Winterferien, früh um 8 Uhr, trafen sich 12 Schülerinnen und Schüler des Grundkurses Philosophie und ihre Lehrerin, Frau Dr. Ruschmeier-Krause, mit Frau Vürell und Frau Jogwer von der Schulstation "Insight" an der Droste, um ein Planspiel zur Inklusion zu veranstalten. Einen Vormittag lang schlüpften die Jugendlichen in die Rollen von Regierungsvertretern und Nichtregierungsorganisationen, diskutierten miteinander und rangen um eine Resolution, die von so verschiedenen Parteien wie zum Beispiel der Chinesischen Regierungsdelegation und „Inclusion International“ gemeinsam verabschiedet werden sollte.

Beginnen wir diese kleine Erzählung mit einer Einleitung, wie sie jeder von uns bereits mindestens ein Dutzend mal gelesen hat im Laufe seines noch so kurzen Lebens. Denn es war ein kühler Freitagnachmittag, als eine Gruppe Schüler hastig aus einer Versammlung unseres Abiturjahrganges hinausstürmte, ungewöhnlich häufig auf Uhr oder Handybildschirm starrend um bloß nicht die S-Bahn zu verpassen. Anders als sonst erwartete uns heute nach Schulschluss noch kein Wochenende, und die S-Bahn sollte uns auch nicht nach Hause bringen. Stattdessen erwarteten uns heute, eine ganze Stunde Fahrt entfernt, entweder mögliche Antworten auf einige unserer vielen Fragen im Leben, oder, was doch eher zu erwarten war; neue Fragen die wir uns stellen konnten. Denn was uns erwartete war keine übliche Veranstaltung der Schule, kein normaler Vortrag zu dem wir uns Notizen machen sollten um diese dann abzuheften und bis sie in einer Klausur abgefragt werden zu vergessen. Man kann diese Eigenschaften den verschiedensten Fächern zuordnen, die man über die letzten Jahre nicht unbedingt ins Herz schließen konnte; jedoch, wenn ihr mich fragt, ganz sicherlich nicht der Philosophie. Selbstverständlich werden auch hier Notizen gemacht, natürlich wird auch hier vergessen, jedoch ist eins sicher; sollte man solch eine philosophische Veranstaltung nicht mit mehr Fragen verlassen als man sie vorher betreten hatte, hat man ihr nicht mit Herz und Seele zugehört. Und dies führt uns auch bereits zum zentralen Thema des Vortrages.

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Obwohl nicht jeder von uns zur gleichen Zeit sich auf den Weg machte und wir die verschiedensten Routen einschlugen, begegneten wir doch einander und trennten uns zugleich auch wieder auf der Suche nach dem Veranstaltungsort. Als wir zuletzt alle dort eingetroffen sind bat man uns auch schon nach wenigen Minuten hinein in einen Raum dessen Einrichtung sich auf ein kleines Podium und einen Tisch im vorderen Vierteil des Raumes und einer Schar an Stühlen für die Besucher beschränkte. Mit Tassen gefüllt mit Kaffee oder Tee in der Hand strömten wir in den Raum und suchten uns einen Platz, der uns, möglicherweise, sogar das Denken erleichtern würde. Denn genau
dies war gefragt, wie es uns offensichtlicher wurde, als es langsam losging und der heute vortragende Philosoph vorgestellt wurde. Ein Doktortitel zum Thema Liebe, hieß es – wer hätte je gedacht, dass es dazu auch Doktorarbeiten geben könnte? Doch die gab es, und das nicht unberechtigt.

 Einige kramten Stifte und Papier heraus, um den Vortrag dokumentieren zu können und zugleich auch Gedanken festzuhalten sowie auch resultierende auftretende Fragen. Das Leib-Seele Problem sollte unsere Gedanken heute beschäftigen. Einigen von uns war dieser Begriff noch nie über den Weg gelaufen, andere lasen bereits ganze Werke von Philosophen die sich mit diesem Thema auseinander setzten im Laufe der Geschichte. Doch was jeder von uns gemeinsam hatte, war, dass wir uns alle auf unsere eigene Art und Weise schon einmal mit diesem weit verbreiteten
philosophischen „Problem“ beschäftigt haben, ob nun Philosophielehrer oder nicht, viele eventuell nicht einmal sonderlich bewusst. Denn was viele von uns nicht wissen, ist, dass jeder von uns irgendwann in seinem Leben schon einmal philosophiert hat. Philosophie hört sich vielleicht zunächst höchst abgegrenzt von der Realität an und scheint eher wie eine Disziplin für spezielle Professoren und Hobby-Philosophen. Jedoch besteht die Philosophie nicht unbedingt daraus, dem Wort eines Philosophen der Vergangenheit zu gehorchen und sich in Büchern und Texten
einzugraben. Die Philosophie - „Liebe der Weisheit“ erwartet nicht mehr, als das, was eben der Begriff schon aussagt. Und dies geschieht durch das Stellen von Fragen und das unvermeidliche Nachdenken über mögliche Antworten. Dabei ist zu beachten, dass bereits die banalsten Fragen die sich jeder von uns manchmal im Laufe eines Tages stellt, doch zur Philosophie gehören. Im Zusammenhang mit dem Leib-Seele-Probleme also Fragen wie: Gibt es tatsächlich eine Seele?
Sollte es Körper und Seele als einzelne Substanzen geben, wie stehen sie dann beide zueinander?
Bin „Ich“ Körper, Seele, oder gar beides? Fragen, die zur Existenz des Menschen einfach dazu gehören.


Diese Fragen versuchte der Philosoph uns auf seine Art und Weise möglichst zu beantworten.
Jedoch gibt es in der Philosophie kaum Fragen dieser Art die eindeutig beantwortet werden können; und genau aus diesem Grunde bestand der Abend auch nicht bloß daraus, dass wir uns seine Ansichtsweisen anhören sollten und uns danach nach Hause begeben durften, egal, ob nun weiter erleuchtet oder nicht. Denn die Philosophie ist auch eine Wissenschaft die auf Diskussionen und Diskursen beruht – so gibt es immerhin ein ganzes Teilgebiet der Philosophie welche sich als Philosophie der Diskurse bezeichnet. Daher sollten wir uns, nach einer kurzen Pause in der wir uns
bei belegten Brötchen und leckerem Kuchen sowie, erneut, Kaffee und Tee stärken konnten, in Gruppen zusammentun, bestehend aus den Besuchern des Vortrages, um frei unsere Gedanken äußern zu können, egal ob junger Schüler oder älterer Besucher des Vortrages, und vielleicht sogar unsere eigenen Antworten auf die erwähnten Fragen zu entwickeln. Anfangs noch recht schüchtern versuchten wir uns zunächst in unsere Gruppe einzufinden und die Personen uns gegenüber kennen zu lernen, bevor wir uns, wenige Minuten später, tief in einer Diskussion über die verschiedensten Themen verloren sahen. Und dabei ging es oftmals nicht nur um das Leib-Seele-Problem, wie es
uns heute vorgestellt wurde. Es fing mit einem bestimmten Aspekt des Vortrages an, verirrte sich allerdings schnell in den verschiedensten Fragen, warf die unterschiedlichsten Theorien auf, enthüllte die verschiedenartigsten Meinungen, alle der Überprüfung der skeptischen Teilnehmer der Diskussion unterworfen. Für die Philosophie erhält der Begriff des Streitgespräches eine vollständig andere Konnotation. Und so sammelten wir in den verschiedenen Gruppen neue Ansichten, erfuhren andere Denkansätze und es wurden auch noch mehr Fragen aufgeworfen, Fragen, die wir am Ende
noch einmal dem Philosophen stellen durften, erneut um keineswegs eine eindeutige Antwort zu erhalten, sondern eher um uns mit einer weiteren perspektivischen Sicht zu bereichern. Und wem all dies noch nicht genügte, blieb auch noch nach Ende der Veranstaltung, diskutierte, fragte und stellte Thesen sowie Theorien auf.

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich mir nicht gerne das Recht nehme für eine gesamte Gruppe von Menschen zu sprechen, doch ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich sage, dass jeder von uns an diesem Tag eine Menge Antworten und noch viel mehr Fragen nach Hause, ins Wochenende, mitnehmen konnte. Was wir daraus machen, ob es uns nun interessiert, wir die Gedanken vertiefen, anfangen uns auch mit Büchern zu beschäftigen, welche eben jene Fragen versuchen auf ihre eigene Art noch einmal anders zu beantworten, oder uns doch lieber einem anderen Gebiet der Philosophie hingeben – all dies bleibt jedem einzelnen von uns überlassen.
Verschwendet war die Zeit jedoch sicherlich nicht, denn selbst wenn sie auch nur einer einzigen Person dazu verhalf, eine andere Sicht auf ein bestimmten Problem zu erlangen, so haben der Vortrag und das darauf folgende mindestens ebenso wichtige diskutieren doch ihren Zweck erreicht, indem eben jene Personen einen Schritt näher zur Weisheit machen konnten.

Abdulwahab Dweydari

Am Droste-Hülshoff-Gymnasium können Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe das Fach Philosophie als regulären Kurs und auch als Abiturfach wählen. Philosophie wird von drei Lehrkräften (Frau Kurig, Frau Dr. Ruschmeier-Krause und Herrn Zepf-Schwabe) unterrichtet.

In den folgenden Beiträgen haben Schülerinnen aus Abiturkursen verschiedener Jahrgänge nach zwei Jahren Philosophieunterricht einmal aufgeschrieben, was ihrer Ansicht nach unter Philosophie zu verstehen ist. Die Frage, was Philosophie denn sei, ist gar nicht so leicht zu beantworten, vielleicht auch, weil es sich bei ihr selbst schon um eine philosophische Frage handelt.

Beitrag von Janine Dabelow

Beitrag von Marie Kaiser

Beitrag von Larissa Richey

Beitrag von Laura Schubert

Die Beiträge dieser Rubrik werden laufend durch Essays, Analysen und weitere lohnende Gedankengänge von Schülerinnen und Schülern ergänzt, sodass es sich für alle Philosophieinteressierten immer mal wieder lohnen wird, hier „vorbeizuklicken".

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